Ein Absturz.

Ich hatte wegen freier Tage nichts mit dem Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen zu tun. Es hat mich aber gewundert, was in “sozialen Medien” und in einigen Publikationen so verbreitet wurde. Fünf Punkte meiner Verwunderung.

1) Die ungeheuere Aufregung.

150 Tote sind furchtbar. Aber in Garissa (Kenia) und in zwei jemenitischen Moscheen starben genau so viele Menschen bei Terroranschlägen. An derlei Barbarei scheinen wir uns gewöhnt zu haben. Die beiden Massaker “sendeten sich so weg”. Nur weil eine Menge Deutsche unter den Absturzopfern waren, sind sie mir nicht näher als erschossene Studenten oder in die Luft gesprengte Handwerker. Sie sind alle Opfer kranker Hirne.

2) Der Streit um die Nennung des Namens des Co-Piloten.

Manch Journalist und manch privater Kommentator fanden es unpassend, den Namen des Co-Piloten zu nennen (und sein Foto zu zeigen), der mit nahezu hundertprozentiger Wahrscheinlichkeit den Absturz herbeigeführt hatte. Man kann es natürlich lassen, aber dann kann man auch jede umfangreiche Berichterstattung einstellen und auf Meldungslänge reduzieren, um niemandem nahezutreten: “In den französischen Alpen ist ein Passagierflugzeug mit 150 Insassen abgestürzt. Alle Insassen sind tot. Einer der beiden Piloten soll den Absturz herbeigeführt haben.” Andreas Lubitz war die Ursache der Katastrophe, und so krank er auch gewesen sein mag: Es gehört zur Berichterstattung, die Ursache zu nennen, und Lubitz hat mit seiner monströsen  Tat seine Privatsphäre beseitigt.

3) Das Klugscheißertum

Kaum waren die ersten Eilmeldungen raus, wurden auf Twitter erste Ursachen der Katastrophe verkündet. Ein Berliner Politiker, bekannt durch sein Dauertwittern, machte Überforderung des Menschen durch die Technik  als Grund aus. Nach etwa 15 Minuten.

4) Die Medienkritik

Ja, es gibt Reporter, die ihre Kinderstube in eben jener zurückgelassen haben. Und es gibt Fernsehsender, die Geplapper für Berichterstattung halten und Journalisten Journalisten interviewen lassen, die niemanden für ein Interview gefunden haben. Es ist auch tollkühn, Sendezeit bereitzustellen, bevor man weiß, ob man sie füllen kann. Aber es gibt auch ein Informationsbedürfnis, das von Journalisten befriedigt werden muss: Es ist ihr Beruf, und die Einschaltquoten gaben ihnen Recht. Damit machen sie sich nicht immer Freunde und müssen es ertragen, nach Katastrophen als Störenfriede angesehen zu werden (ich weiß, wovon ich spreche). Aber wehe, sie sind nicht Nervensägen genug, wenn es um andere Themen geht.

5) Die bigotte Sensibilität

16 Schüler und zwei Lehrerinnen aus der kleinen Stadt Haltern fanden im Flugzeug den Tod. Darüber wurde groß berichtet. Es gab sensible Menschen, die das furchtbar fanden. Man darf selbstverständilich behaupten, dass Medien darüber berichten, um Quote und Auflage zu “machen”. Nur: Vielleicht ungewollt wird mit der Berichterstattung über einzelne Opfer und Opfergruppen gerade im Boulevard klar, dass es bei dieser Katastrophe um Menschenleben und Schicksale ging, nicht um die nüchterne Zahl “150″.  Der Verlust von Menschenleben wird bei dieser Art von Berichterstattung viel deutlicher. Vollends bekloppt wird die Kritik der Sensiblen allerdings (und das gilt auch für Punkt 4), wenn sie über die Berichterstattung herziehen, sie aber offenbar haarklein verfolgen und Kopien der inkriminierten Artikel auch noch im Netz verbreiten. Das erinnert an im 20. Jahrhundert verblichene Schmierblätter wie “Praline”, die empörungstriefende Artikel über schreckliche Sexualstraftaten verbreiteten und dazu Zeichnungen stellten, wie sich das Verbrechen abgespielt hätte. Man würde heute Wichsvorlage zu derlei Zeichnungen sagen.

Im Nachrichtensender “euronews” gibt es ein Vorbild, wie man eindringliche Bilder verbreiten kann, ohne sinnlos zu schwätzen: “No comment” heißt das Format, bei dem kein Besserwisser aus dem Off so tut, als wisse er was.

 

Jeht nich, woll’n wa nich, wat soll’n ditte …

Kein Mensch muss für Olympia sein.

In Berlin hat sich jedoch eine Haltung ausgebreitet, die mir zuwider ist. Ein Teil der öffentlich handelnden Personen (auch der Presse) hat den Beruf gewechselt, sie wurden zu Haar-in-der-Suppe-Suchern.

Es ist eine Mischung aus Arroganz, Besserwisserei, zwanghafter Ironisierung, Fremdenfeindlichkeit (noch mehr Touristen …) und grundsätzlichem “Nein”, wenn der Senat etwas will. Gepaart mit einer Zaghaftigkeit, die – sehr paradox – großmäulig vorgetragen wird.

Ein paar Schwachköpfe holen dann noch den Föhrer mitsamt der 36er Spiele aus der Kiste, weil das immer zu ziehen scheint, wenn einem nichts weiter einfällt, um etwas zu diskreditieren. *Gähn*

Dabei sind gerade die Spiele 1936 ein Ansporn, sich für 2024 oder 2028 zu bewerben.

Oder wollen wir  künftig zusehen, wenn Diktaturen olympische Leichentücher über die Folgen ihrer  Unterdrückung ziehen.

Der Islam gehört zu Deutschland. Wirklich?

Nach dem Massakern von Paris beeilt sich nicht nur die Kanzlerin, den Spruch “Der Islam gehört zu Deutschland” zu unterstreichen.

Ich halte das für Unfug.

Nicht der Islam gehört zu Deutschland, sondern die Menschen, die hier leben. Es ist im täglichen Leben vollkommen gleichgültig, in welches Gotteshaus  – wenn überhaupt – jemand am Freitag, Sonnabend oder Sonntag geht.

Ich beurteile den Gemüsehändler, den Busfahrer oder die Friseurin nicht danach, welchem Glauben sie anhängen, sondern ob es anständige Leute sind und ob sie ihre Arbeit gut machen.

Ich bin da ganz altmodisch auf der Seite des Preußenkönigs Friedrich II.: “Alle Religionen sind gleich und gut, wenn nur die Leute, die sie ausüben, ehrliche Leute sind, und wenn Türken und Heiden kämen und wollten das Land bevölkern, so wollen wir ihnen Moscheen und Kirchen bauen.”

Sollten sich die Schlaumeier von Pegida und AfD und die Phrasendrescher von “gehört zu Deutschland” mal hinter die Ohren schreiben.

Klugscheißer und Kotzbrocken

Das Charlie Hebdo-Drama in Frankreich ist noch nicht vorbei, da bricht in den “sozialen” Medien der Wahnsinn der Klugscheißer und Kotzbrocken los.

Die einen machen sich lustig, dass die Republik Frankreich 88 000 Polizisten und das Militär losgeschickt hat, um zwei Männer zu fangen. Was für eine widerwärtige Geringschätzung des Schutzes menschlichen Lebens, was für eine Arroganz von Sesselfurzern.

Die anderen beschweren sich in der einen oder anderen Form darüber, dass man ja noch gar nicht wisse, ob es sich um islamistische Terroristen handele. Was für eine bornierte Ausblendung des Offensichtlichen, was für eine perfide Einleitung von Verschwörungstheorien.

Und noch andere machen blöde Witze.

Was für gefühllose Idioten, die ihren Müll im Schutz einer Gesellschaftsordnung ausbreiten, die ihnen genau diese Möglichkeit einräumt.

CharlieHebdo, die AfD und das Mittelalter

Der brandenburgische Herrenreiter Alexander Gauland von der Glencheck-Sakko-Partei AfD meint, dass das Massaker von Paris die Auffassung der Pegida-Bewegung bestätige, der Islamismus bedrohe uns.

Das ist nur nicht die Auffassung der Pegida-Nachlatscher. Die meinen bei ihren Demos keine Islamisten, die meinen Muslime.

Dass der Islamismus bedrohlich ist, ist eine altbekannte Tatsache, die von niemandem bestritten wird, der bei Trost ist. Ebenso wie die Tatsache, dass auch in unserem Land widerliche Islamisten leben, die den Tod mehr lieben als das Leben.

Pegida und AfD aber verfallen mit ihrer Argumentation ins finsterste Mittelalter. Sie reden wie der päpstliche Legat Arnold Amalrich im Jahr 1209. Damals erstürmten Kreuzritter die Stadt Béziers, in der “Ketzer” der Katharerbewegung lebten. Als die Soldaten den Geistlichen fragten, wie sie die “Guten” von den “Bösen” in der Stadt unterscheiden sollten, antwortete der Priester laut der Überlieferung, jeden in der Stadt zu erschlagen: “Tötet sie! Der Herr wird die Seinen schon erkennen.”

Pegida und AfD argumentieren entsprechend: Stellt alle Muslime unter den Verdacht, Terroristen zu sein! Es wird schon die Richtigen treffen.

Das ist schon deshalb bizarr, weil Deutschland viele Muslime beherbergt, die vor blutrünstigen Islamisten geflohen sind – mal abgesehen von den längst hier Beheimateten, die bürgerlichen Berufen nachgehen (auch wenn sie meistens keine Altherren-Sakkos tragen).

Das “Abendland”, das Pegida und AfD so gerne im Munde führen und das zu verteidigen sie vorgeben, zeichnet sich eben nicht dadurch aus, dass man alle Menschen über einen Kamm schert. Sondern durch die Betrachtung des Individuums.

Aber was soll man schon von Leuten halten, die hinter einem verurteilten Drogenkriminellen herwandern, um gegen mit Drogen handelnde Asylbewerber zu demonstrieren.

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Müller, mutig

Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller zeigt Mut: Ohne Namen zu nennen, machte er heute klar, welche Nachfolgelösung er für die Führung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg bevorzugt: Die Truppe soll es machen, die unter Mehdorn gearbeitet hat – Technikchef Jörg Marks, Betriebschef Elmar Kleinert und Finanzchefin Heike Fölster.

So richtig Freunde hat er sich damit offenbar nicht gemacht: Auf Nachfrage, was sie von dem Vorschlag halten, hüllten sich Landesregierung Brandenburg und Bund in beredtes Schweigen.

Auch, wenn Müller alle Argumente auf seiner Seite hat (kein Zeitverzug, keine teuren Headhunter, keine überbordenden Kosten): In der Schlangengrube der drei Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund könnte er der Laokoon des BER werden.

Halten wir ihm die Daumen.

Gemecker und Dummheit

Das Gemecker ist groß dieser Tage in Berlin: Der Senat habe versäumt, Leute rechtzeitig zu informieren, wo Flüchtlingsheime errichtet werden sollen.

Ich halte das für ausgemachten Unfug. Wenn irgendwo ein Wohnhaus gebaut wird, kommt auch kein Senator vorbei und bereitet die Nachbarschaft darauf vor, dass neue Nachbarn im Anmarsch sind.

Nun wird eingewendet werden: Das ist doch was anderes, so eine Flüchtlingsunterkunft, ganz andere Leute, und überhaupt kann man ein Wohnhaus nicht mit einem Heim vergleichen.

Doch. Kann man.

Allerdings nur nicht, wenn man Menschen, die Verfolgung und Tod entronnen sind, für eine Art menschenfressender Außerirdischer hält. Und wenn man sich dümmer stellt als erlaubt.

Das tun leider viele. Nichts deutet bislang darauf hin, dass ein Flüchtlingsheim in Berlin zu einer Gefahr für seine Umgebung geworden ist, nichts. Dennoch wird das Kriminalitäts-Argument wider besseres Wissen immer wieder mit Inbrunst ins Feld geführt.

Vielleicht wirken einige Flüchtlinge absonderlich, was ihr Aussehen angeht, und das Suchen nach Verwertbarem in Gelben Tonnen, von manchen zwecks Aufbesserung der Kasse betrieben, muss man nicht sympathisch finden. Doch weder das Eine noch das Andere ist ein Anlass für Aufregung.

Nur eben für die, die sich dumm stellen. Bei denen würden es allerdings auch nicht helfen, wenn der gesamte Senat und das jeweilige Bezirksamt in Mannschaftsstärke aufliefe und “informiert”. Manches ist auch Politikern nicht zuzumuten – zum Beispiel mit einer Wand zu reden. Wer sich aufregen will, regt sich auf, selbst wenn ein vorhandenes Flüchtlingsheim drei Straßen weiter alle Vorbehalte dementiert.

Deshalb hege ich auch meine Zweifel daran, dass sich Rechtsextremisten sehr anstrengen mussten, um Leute bei Demos um sich zu scharen. Wer Familien in Not als Nachbarn ablehnt, muss von NPD & Co in Wahrheit nicht mehr bekehrt werden. Er ist schon unmenschlich.

Das Thema Flüchtlinge ist in Berlin allerdings doppelt überhöht – nicht nur von rechts, sondern auch von links.

Es ist schwer zu formulieren, aber ich versuche es mal: Wenn eine grüne Politikerin mit balsamischem Predigtton, eine Linke im Kreissägen-Sprech der Empörung und ein Pirat in selbstgefälliger Heilsbringerpose die Welt retten zu wollen behaupten, während sie in Wahrheit nur den zuständigen CDU-Senator demontieren wollen, machen sie die Flüchtlinge zu Instrumenten ihrer Politik. Ohne sie gefragt zu haben, stellen sie die Hilfeheischenden ins Scheinwerferlicht.

Da stehen sie dann  - die, die geflohen sind, weil sie nicht mehr anvisiert werden wollten.

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Weltuntergang in Thüringen?

Das Bundesland Thüringen bekommt wieder einen Wessi als Ministerpräsidenten. Herrn Ramelow. Der ist von der Linken, und da bekommt manch Konservativer grüne Füße und Haarausfall vor Entsetzen.

Da wird die SPD gescholten, dass sie dem Linken auf den MP-Sessel hilft, und da wird die SED-Vergangenheit beschworen, und überhaupt wird mit der Wahl Bodo Ramelows die Welt untergehen.

Aber wessen Welt?

Berliner werden sich dunkel daran erinnern, dass ihre Stadt von 2002 bis 2011 von der Linken mitregiert wurde. Am Ende von Rot-Rot war Berlin immer noch da, was empirisch nachweisbar ist. Die angebliche linke Gruselbande machte eine prima Realpolitik mit und blieb derartig zahm, dass sie  heute gerne sagt “Wir konnten uns nicht gegen die SPD durchsetzen”, wenn man ihr Dinge unter die Nase reibt, die sie in ihrer Regierungszeit nicht bewerkstelligt hat und jetzt der rot-schwarzen Koalition vorwirft. Ich sag mal nur S-Bahn-Ausschreibung und Wohnungsnot.

Genervt hat die Linke (und tut es noch) in Berlin lediglich mit der penetranten, bevormundenden Veropferung der Bürger und mit ihrem Betroffenheits-Geseier.

Nun könnte man einwenden, dass Bodo Ramelow in Thüringen nicht mitregieren, sondern regieren wird. Na, und? Der Mann ist nicht zum Herrscher auf Lebenszeit ernannt, und seine Partei ist nicht der alleinige Machtfaktor. Die Thüringer werden es merken, falls die rot-rot-grüne Koalition Murks macht, und können dann reagieren.

Ob die SPD gut beraten ist, als Juniorpartner der Linken ins Rennen zu gehen, wird sich weisen. Sie hat aber eine gute Chance, wenn auch nur im Verein mit den Grünen. Sie dürfen die Linke in der Frage “DDR – ein Unrechtsstaat?” nicht entwischen lassen.

Denn dann haben sie die Chance, jemandes Welt untergehen zu lassen, der sich jetzt noch als Sieger wähnt: Den Club der Gysis, Wagenknechte und Enkelmänner,  der Relativierer und Ostalgiker.

Wenn eine Regierung Ramelow reüssiert, obwohl sie keine Rücksicht mehr nimmt auf die Apologeten der verlogenen War-doch-nicht-so-schlimm-Masche, dann sind die fertig.

Dann ist die Linke da, wo sie hingehört: Im ganz normalen Parteienwettstreit, der sich mit der Gegenwart und der Zukunft auseinandersetzt, und in dem die Vergangenheit nicht ständig rosa- oder schwarzgefärbt eine propagandistische Rolle spielt.

Erdogan: Er kann nicht einmal Machiavelli

In der Türkei halten viele – angefangen mit Präsident Erdogan – die kurdische PKK und ihre syrische Entsprechung  PYD für Terroristen, die so gefährlich wären wie die Mordbanden des “Islamischen Staats”.

In der Tat war die PKK nie ein Verein von Chorknaben, sondern kämpfte blutige Schlachten gegen die Türkei, mordete und bombte, und Märtyrer fand sie schon immer toll.

Dass  PKK und PYD deshalb bei Türken nicht beliebt sind, liegt auf der Hand.

Und deshalb weigert sich die Türkei nicht nur, den kurdischen Verbänden zu helfen, die gegen den IS kämpfen, sie verhindert auch, dass die PYD-Truppen in der umkämpften Stadt Kobane Nachschub und Verstärkung bekommen.

Das kann man unmoralisch finden. Aber es ist vor allem vierfach dumm.

Erstens versäumt es Erdogan auf diese Art, die Kurden in ein Dilemma zu drängen: Dürften sie mit Waffen und frischen Kämpfern über die Türkei nach Syrien, hätten sie hinterher Schwierigkeiten mit Begründungen, danach auf die Türkei loszugehen. Die große Sympathie, die sie durch ihren tapferen Kampf in Kobane weltweit erworben haben, wäre binnen Augenblicken verschwunden.

Zweitens schwächt er die offenkundig einzige Truppe in der Region, die in der Lage ist, den Kopfabschneidern des IS militärisch Paroli zu bieten.

Drittens befeuert er den innertürkischen Konflikt zwischen Türken und Kurden.

Schiebt man mal alle Moral beiseite, ist er viertens auch ein Versager auf dem Feld des kalten, machiavellistischen Kalküls. Nach diesem Kalkül müsste er gerade viele kurdische Kämpfer ins Nachbarland in den Kampf gegen den IS ziehen lassen und auf einen möglichst hohen Blutzoll bei beiden Seiten hoffen.

Aber er ist bestimmt sehr fromm, der Herr Erdogan.

Übler Trick?

Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos, für SPD) hat die Ausschreibung des Berliner Stromnetzes auf “Start” zurückgesetzt. Seine Begründung laut “Berliner Morgenpost”: Mögliche Befangenheit des Justizsenators Thomas Heilmann (CDU). Er hatte an den Beratungen zur Ausschreibung teilgenommen, obwohl er an einer Firma beteiligt war, die unter Umständen vielleicht einstmals mit Vattenfall Geschäfte gemacht hat. Vattenfall betreibt zur Zeit das Netz und will das weiter tun.

Für den Grünen-Abgeordneten und Energiefachmann Michael Schäfer ein “durchsichtiges Manöver”, den “Anschein der Befangenheit” als Grund ins Feld zu führen.

In Wahrheit hätten Nußbaum und seine Verwaltung in den Konzessionsverfahren zu Gas und Strom schwere Fehler gemacht, diverse Fachleute äußerten rechtliche Bedenken. In Sachen Gas-Konzession hatten Juristen aus Heilmanns Verwaltung überdeutlich auf rechtliche Probleme hingewiesen, die Gasag hat gegen die Vergabe des Netzes an die landeseigene “Berlin Energie” Klage erhoben.

Offenkundig ziehe Nußbaum aus der wackligen Gasnetz-Vergabe jetzt die Lehre fürs Strom-Netz, gebe Heilmann aber dafür die Schuld.

Es herrscht eine Liebe unter den Menschen …